Die moderne Elektromobilität ist noch keine 15 Jahre alt und hat sich in dieser Zeit rasend schnell weiterentwickelt. Für Autokäufer bedeutet dies, das Für und Wider neu zu bedenken.
Text: Wolfgang Hörner
Was noch vor ein paar Jahren für die Elektromobilität galt, ist heute längst überholt – so rasant ist die Entwicklung, etwa beim Fahrzeugangebot. War es lange Zeit eher auf Kleinwagen sowie große Luxusfahrzeuge fokussiert, gibt es heute E-Autos in allen Klassen – auch familien- und reisetaugliche Modelle. Beflügelt wird der Wettbewerb dadurch, dass inzwischen fast alle großen Autohersteller E-Fahrzeuge anbieten und zudem viele chinesische Marken in Deutschland aktiv sind.
Weil die Elektromobilität in China eine viel größere Dimension hat und die Entwicklungszyklen schneller sind, können zahlreiche Modelle bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Preis punkten. Potenzielle Kunden halten sich aber dennoch oft zurück. Bisweilen sind diesen Fahrzeugen die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit und die teilweise geringe Adaption an europäische Gepflogenheiten anzumerken. Zudem ist das Händlernetz oft lückenhaft.
Stark steigende Zulassungszahlen
Dass sich die Elektromobilität im Massenmarkt etabliert, zeigen die Zulassungszahlen. Im Juli 2026 kamen in Deutschland 78.609 reine Elektroautos neu auf die Straße – 62 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gefragt sind nicht nur Premiummodelle. Im ersten Halbjahr führte der kompakte Škoda Elroq mit gut 20.000 Neuzulassungen die Rangliste an, knapp vor dem Tesla Model Y und dem VW ID3. Auch die Einstiegspreise sind gesunken. Ein neuer ID3 ist ab rund 34.000 Euro erhältlich, der Elroq ab etwa 38.000 Euro und der Model Y ab etwa 40.000 Euro. Von diesen Listenpreisen können je nach Hersteller weitere Aktionsrabatte sowie die staatliche Förderung abgehen.

Den Fortschritt spürt man insbesondere beim früheren Angstthema Reichweite. Viele Fahrzeuge haben heute Werte von 500 Kilometern und mehr gemäß WLTP-Norm. Allerdings ist der persönliche Fahrstil ein wichtiger Einflussfaktor. Wer zügiger als im WLTP-Standard fährt, muss mit rund 20 Prozent Abschlag rechnen. Das macht aus theoretisch 500 Kilometern 400. Das ist dennoch eine Größenordnung, die man auf einer Urlaubsreise in Kauf nehmen kann, denn das Ladesäulennetz entlang der Autobahn ist nicht nur in Deutschland engmaschig.
Was man in diesem Zusammenhang wissen muss: Die Ladestopps dauern nicht so lange, wie viele fürchten. Klar, es vergeht mehr Zeit als beim Tanken. Doch viele moderne E-Autos erreichen Ladeleistungen von über 100 Kilowatt. Diese Leistung ist ein Maß dafür, wie schnell geladen werden kann. Hier spielen natürlich auch die Ausgangsleistung der Ladesäule, deren Auslastung und die Umgebungstemperatur eine Rolle. Trotzdem laden viele moderne E-Autos in weniger als 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Wer nicht absoluter Vielfahrer ist und jeden Tag quer durch die Republik reist, kann mit diesen Pausen nicht nur leben, sie lassen sich auch fürs Essen oder für Bewegung sinnvoll nutzen.
Der Strompreis schwankt erheblich
Insgesamt gibt es allein in Deutschland mittlerweile knapp 210.000 öffentliche Ladepunkte, rund ein Viertel davon sind Schnelllader. Doch wie findet man sie? Das ist einfacher als gedacht. Die meisten E-Autos besitzen serienmäßig ein Navigationssystem. Es zeigt Ladepunkte im Umkreis an, dazu deren Belegung, die Ladeleistung und oft auch den Preis. Wählt man die Zielführung, schlägt das Navigationssystem automatisch sinnvolle Ladestopps entlang der Route vor. Viele Parameter sind einstellbar, etwa wie weit die Batterie vor dem Laden bereits entleert sein soll.
Zudem wird man feststellen, dass es im lokalen Umfeld mehr Ladesäulen gibt, als man glaubt, etwa an Supermärkten. So kann man während des Einkaufs laden. Das macht ein Umdenken erforderlich. Während man zur Tankstelle fährt, wenn der Benzintank fast leer ist, ist es durchaus sinnvoll, das E-Auto zwischendurch nachzuladen.

Und noch ein Gedankenfehler wird gemacht: Viele Menschen verbinden E-Mobilität damit, daheim kostenfrei zu laden, weil sie eine Photovoltaikanlage haben. Das gilt aber nicht pauschal. Gerade bei Mehrfamilienhäusern ist es üblich, nicht daheim laden zu können. Hier ist es nötig, sich eine Lieblingsladestelle zu suchen – vielleicht in der Nähe der Wohnung oder der Arbeitsstätte, vor allem aber mit gutem Preisniveau, denn die Preisunterschiede sind erheblich. Einige bundesweit agierende Stromanbieter verlangen rund 55 Cent pro Kilowattstunde bei Schnellladern, andere 90 Cent an Standardsäulen.
Sparsame E-Autos benötigen heute weniger als 18 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Setzt man 55 Cent pro Kilowattstunde an, dann liegen die Fahrkosten bei knapp 10 Euro pro 100 Kilometer. Betrachtet man die aktuellen Benzinpreise von mindestens 2 Euro pro Liter, dann kostet ein sparsamer Verbrenner, der fünf Liter pro 100 Kilometer benötigt, ebenfalls rund 10 Euro auf 100 Kilometern.
Wichtig ist auch, wo man fährt: Im Stadtverkehr steigt der Verbrauch des Verbrenners, bei E-Autos sinkt er. Umgekehrt drückt Vollgasfahren beim E-Auto stärker auf den Verbrauch als bei einem Verbrenner. Schließt man zudem die staatliche Förderung (siehe unten) sowie die stärkeren Verkaufsmaßnahmen der Hersteller für E-Autos ein, ergeben sich für sie durchaus Preisvorteile.
E-Autos in vielerlei Hinsicht gefördert
Viele Hersteller fördern den Absatz vollelektrischer Autos, um ihre Marktposition zu stärken. Einige gewähren bis zu 10.000 Euro Nachlass, was Listenpreise fast zu Makulatur macht. Zudem verstecken sich Angebote häufig in den Leasingraten (siehe unten), die von den Herstellern ebenfalls zur Verkaufsförderung genutzt werden.
Etwas anders verhält es sich mit gebrauchten E-Autos. Sie starten zwar logischerweise bei niedrigeren Kaufpreisen, ihr Leasing wird aber nicht vom Hersteller unterstützt – schließlich war das Auto bereits zugelassen und taucht daher nicht mehr in der Verkaufsstatistik auf. Trotzdem kann ein gebrauchtes E-Auto durchaus attraktiv sein, denn das Preisniveau ist in den vergangenen Monaten spürbar gesunken.

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen wurden während des E-Auto-Booms Anfang des Jahrzehnts viele Fahrzeuge geleast, die jetzt zum Händler zurückkommen. Zum anderen gibt es auf viele neue E-Modelle Nachlässe, was den Preisdruck bei Gebrauchtwagen erhöht. Eine Fraunhofer-ISI-Analyse ergab, dass die Preise für gebrauchte E-Autos mittlerweile fast auf dem Niveau vergleichbarer Verbrenner liegen.
Trotzdem fragen sich viele Käufer, ob gebrauchte E-Fahrzeuge überhaupt sinnvoll sind. Von jedem Smartphone ist bekannt, dass seine Batteriekapazität im Laufe der Zeit nachlässt. Bei einem E-Auto würde das einen Verlust an Reichweite bedeuten. Mehrere unabhängige Studien zeigen, dass die Batterien acht Jahre alter E-Autos oft noch mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität besitzen.
Ist der Gebrauchte allerdings erst drei Jahre alt – ein typisches Alter für einen Leasingrückläufer –, liegt die Kapazität noch bei 90 bis 95 Prozent, ist also völlig in Ordnung. Trotzdem ist es ganz wichtig, beim Kauf eines gebrauchten E-Autos ein Zertifikat des Batteriezustands einzufordern. Dieses erstellen die Markenwerkstätten oder auch der ADAC.
Finanzierung über die Sparkasse
Wer sich für ein E-Auto entschieden hat, muss nicht zwangsläufig den gesamten Kaufpreis auf einmal aufbringen. Neben Leasing kommt auch eine Finanzierung durch Ihre Sparkasse infrage. Für Firmen und Selbstständige bieten Sparkassen mit der Deutschen Leasing außerdem Fahrzeugleasing an – auch für Elektroautos.

Staatlich unterstützt
Die E-Auto-Förderung ist zurück – allerdings mit Unterschieden zu früher.
Der staatliche Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden und wird unabhängig vom Anschaffungsweg gewährt – egal, ob das Fahrzeug gekauft, finanziert oder geleast wird. Die Basisförderung beläuft sich bis zu einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von 80.000 Euro auf 3000 Euro für vollelektrische Fahrzeuge. Diese Grenze erhöht sich um 5000 Euro je Kind für maximal zwei Kinder auf bis zu 90.000 Euro.
Beträgt das Einkommen weniger als 60.000 Euro, gibt es 1000 Euro Sozialbonus, bei unter 45.000 Euro weitere 1000 Euro. Dazu erhält man pro Kind im Haushalt unter 18 Jahren weitere 500 Euro, wobei auch hier bis zu zwei Kinder berücksichtigt werden. Außerdem sind vollelektrische Fahrzeuge bis 2035 von der Kfz-Steuer befreit. Wird das Auto auch als Firmenwagen genutzt, greift die günstige 0,25-Prozent-Regelung zur Versteuerung des geldwerten Vorteils.
Leasing lohnt sich
Gerade bei E-Autos ist Privatleasing eine attraktive Alternative.
Lange Zeit hieß es: Für Privatleute rentiert sich Leasing nicht. Bei E-Autos sieht die Sache etwas anders aus. Das hat zum einen damit zu tun, dass eine Sorge der Käufer genommen wird. Diese fragen sich, ob sie in einigen Jahren ein gekauftes E-Auto noch gut verkaufen können, wenn der technische Fortschritt so schnell weitergeht und die Batteriekapazität mit der Zeit abnimmt. Beim Leasing gibt es dieses Problem nicht, denn nach der Mietdauer muss sich der Leasinggeber um die Vermarktung kümmern.
Zum anderen wird Leasing von den Herstellern auch als versteckter Nachlass genutzt. So gibt es Fahrzeuge mit hohem Listenpreis, die zu überraschend niedrigen Raten verleast werden. Kleinwagen können dabei für unter 100 Euro monatlich geleast werden, ein Volvo EX30 für 200 Euro oder ein VW ID4 für 300 Euro. Wichtig bleibt, auf die Rahmenbedingungen zu achten: Welche Laufzeit und welche jährliche Kilometerleistung sind vereinbart? Ist eine Sonderzahlung fällig? Und: Ist eine GAP-Versicherung enthalten?
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