Geld ausgebenFernweh trifft Heimatliebe: die Reisetrends 2026

Fernweh trifft Heimatliebe: die Reisetrends 2026

Der Urlaub bleibt für viele Deutsche die schönste Zeit des Jahres. Doch welche Ziele sind aktuell gefragt? Wie verändert sich das Reiseverhalten? Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, erklärt, was im kommenden Jahr im Trend liegt.

Text: Sarah Hörmann

Urlaub steht heute für Freiheit, Genuss und Selbstverwirklichung. „Urlaub wird zunehmend als essenzieller Bestandteil der Lebensqualität und als Statussymbol wahrgenommen“, sagt Professor Ulrich Reinhardt, im Interview mit diesem Magazin. „Auch die wachsende Vielfalt an Destinationen und Reisearten spielt eine Rolle.

Allerdings beeinflusst auch die Inflation das Reiseverhalten. Analysen zeigen: Viele Menschen überlegen genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben, vergleichen intensiver und wählen teils günstigere Reiseformen – zum Beispiel Inlands- statt Fernreise oder Ferienwohnung statt Hotel. „Es wird sich eher im Alltag eingeschränkt, die Reisedauer und Anreise verkürzt, als auf den Urlaub zu verzichten“, erklärt der Experte. Urlaub ausfallen lassen? Undenkbar. Lieber wird an anderer Stelle gespart.

Laut der Stiftung für Zukunftsfragen hat jeder dritte deutsche Urlauber 2024 den Haupturlaub im Heimatland verbracht. „Vor allem wegen Vertrautheit, kurzer Anreisewege und Naturerlebnissen“, erklärt Reinhardt. Gerade Regionen wie die Küsten, die Alpen oder die Mittelgebirge profitieren vom Trend zum Inlandstourismus. Dabei liegt bei der Reiseplanung der Fokus nicht nur auf Erholung. Auch Aspekte wie Nachhaltigkeit, Authentizität oder Erlebnisqualität rücken stärker in den Vordergrund.

Auch europäische Städtereisen sind attraktiv

„Aber auch klassische Ziele wie Spanien, Italien oder Österreich bleiben beliebt“, betont der Experte. Immer öfter geht es dabei auf Städtereise zu europäischen Destinationen. Ob Kurztrip nach Rom, Barcelona oder Prag – mit dem Flugzeug oder der Bahn ist man schnell in einer europäischen Metropole.

Im Vergleich zum klassischen mehrwöchigen Sommerurlaub bieten kürzere Städtetrips ganz eigene Vorzüge. „Kurzreisen lassen sich gut in ein dicht getaktetes Leben integrieren“, erklärt Professor Reinhardt. „Zwei Drittel der Menschen bevorzugen heute mehrere kürzere Reisen übers Jahr verteilt. Städtereisen bieten kulturelle Vielfalt, Abwechslung und lassen sich oft spontan umsetzen.“ Ob Kultur, Kulinarik oder Spontanität – solche Kurztrips sind perfekt für alle, die Abwechslung und Flexibilität schätzen.

Kreuzfahrten und Coolcation

Auch Fernreisen bleiben hoch im Kurs. „Besonders die Kreuzfahrtbranche verzeichnet seit Jahren steigende Nachfrage“, hat Reinhardt beobachtet. Der demografische Wandel werde diese Entwicklung weiter verstärken. „Immer mehr ältere Menschen verfügen über Zeit, Einkommen und den Wunsch nach Komfort und guter Organisation.“

Kreuzfahrten sind populär. Ebenso Urlaub in kühleren Regionen. Man kann auch beides kombinieren.

Neben diesen Reiseklassikern gibt es auch spannende Alternativen. Coolcation, also Reisen in kältere oder auch mildere Regionen, sind derzeit ein wachsendes Nischensegment, das vor allem Abenteuer- und Naturreisende anspricht. Ob es sich flächendeckend durchsetzt, bleibt allerdings abzuwarten.

Onlinetipps werden relevanter

Reise-Influencer, digitale Kampagnen und die Urlaubsbeiträge der alten Schulfreunde – die Digitalisierung und die sozialen Medien verändern das Reiseverhalten. Inspiration kommt heute vom Smartphone. Bilder und Videos auf Instagram oder TikTok prägen die Wahrnehmung von Destinationen und können in kurzer Zeit Nachfragebooms auslösen. Dazu buchen besonders Jüngere ihre Reisen online. „Der Wunsch nach Orientierung bleibt hoch, wodurch Bewertungen, Empfehlungen und hybride Reisebüros an Bedeutung gewinnen“, so Reinhardt.

Insgesamt werden Entscheidungen schneller getroffen, denn Preisvergleiche sind einfacher und mobile Endgeräte spielen als digitaler Reisebegleiter eine immer größere Rolle. Vor allem die Online-Präsenz des Reiseanbieters ist entscheidend – wer nicht sichtbar ist oder schlechte Bewertungen hat, verliert Gäste.

Fotos: Adobe Stock

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