Die eigenen vier Wände zu modernisieren, muss kein Vermögen kosten. Mit Ideenreichtum und einer Portion Tatkraft lässt sich das Zuhause auch mit einem kleineren Geldbeutel optisch und energetisch aufbessern.
Text: Stefanie Hutschenreuter
Bröckelnder Putz, undichte Fenster, hohe Energiekosten: Das Zuhause hat dringend eine Verjüngungskur nötig. Doch was tun, wenn das Budget keine großen Sprünge zulässt? Fragt man Interieur-Experten nach Tipps, wie man mit wenig Geld modernisieren kann, kommt fast immer eine Antwort: mit Farbe. Denn Farbe sei „das günstigste Mittel, um Räume emotional aufzuladen und ein wohliges Raumerlebnis zu schaffen“, sagt die Innenarchitektin Katrin de Louw, die mit ihrer Agentur Trendfilter regelmäßig aktuelle Wohntrends erforscht.
Zudem ist ein neuer Anstrich an Innenwänden, Fassade, Türen oder Fenstern auch für Ungeübte zu schaffen. „Allerdings ist eine zielgerichtete Farbauswahl nicht jedermanns Stärke“, betont de Louw. Sie rät daher, sich bei der Entscheidung von einem Profi unterstützen zu lassen.
Sparen durch Do-it-yourself
Grundsätzlich lässt sich durch das Selbermachen am meisten sparen, wenn die Arbeitskosten den Löwenanteil der Handwerkerrechnung ausmachen. Neben dem Streichen gehören dazu auch andere Arbeiten im Innenausbau wie Tapezieren oder das Verlegen von Bodenbelägen. Für Laien absolut tabu sein sollten hingegen Arbeiten an Elektrik, Gas- und Wasserleitungen. Abgesehen davon, dass sie bei unsachgemäßer Ausführung ein großes Gefahrenrisiko bergen, kann es bei späteren Defekten zu Problemen mit der Versicherung kommen, wenn kein Fachunternehmen die Arbeiten abgenommen hat.

Führt man ein größeres Bauvorhaben im oder am Haus durch, sollte man nicht vergessen, es bei der Berufsgenossenschaft Bau anzumelden – vor allem, wenn beim Renovieren und Sanieren Familie und Freunde helfen. Denn mit der Meldung und Beitragszahlung sind die Hilfskräfte in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Spätestens eine Woche nach Baubeginn muss die Anmeldung über die Website der BG Bau erfolgen – übrigens auch dann, wenn keine helfenden Hände eingeplant sind. Sonst drohen Bußgelder.
Kleiner Aufwand, große Wirkung
Nicht immer muss es zum Aufpeppen aber gleich eine große Baustelle sein. Oft bringen schon kleine, kostengünstige Maßnahmen frischen Wind ins Haus. Küche oder Bad bekommen beispielsweise einen ganz neuen Look, wenn man die alten Fliesen überstreicht, statt sie auszutauschen – vorausgesetzt, sie sind nicht gebrochen und sitzen fest auf dem Untergrund.
Wirkungsvoll und wenig aufwendig ist es auch, Elemente wie Lichtschalter, Türgriffe, Möbelbeschläge und Armaturen zu ersetzen. Gepaart mit Lichtakzenten durch neue Leuchten oder LED-Stripes erstrahlt so alles in hellerem Glanz. Manchmal reicht es aber auch schon, die Vorhänge auszutauschen, um einen Raum zu verändern.

Nicht immer muss auch ein abgenutzt wirkender Teppichboden einem neuen Bodenbelag weichen. Eine Dampfreinigung entfernt Schmutz aus dem Teppich und frischt ihn wieder auf. Das Gerät zur Teppichreinigung gibt es in Baumärkten für ein paar Euro zu mieten – so wie viele Werkzeuge, die Heimwerker meist nur für kurze Zeit benötigen, von der Parkettschleifmaschine bis zum Betonmischer.
Aufzufrischen, statt zu erneuern, kann auch an anderen Stellen Geld sparen, etwa indem alte Baustoffe wiederverwendet werden. Bruchsteine aus einem Abriss lassen sich zum Beispiel als Bodenbelag upcyceln. Eine alte Stalltür kann sich in einen urigen Tisch verwandeln. Mit Kreativität und etwas Geschick lässt sich fast allem ein neues Leben einhauchen.
Förderung beantragen
Grenzen setzt nur das Baurecht, vor allem, wenn Energiesparvorschriften eingehalten werden müssen. Das ist in der Regel bei der Sanierung der Gebäudehülle oder der Heizungstechnik der Fall. Derartige energetische Verbesserungen sind oft mit hohen Kosten verbunden. Mit Fördergeldern lassen sich die Ausgaben jedoch reduzieren.
Besonders hohe Fördersätze gibt es derzeit für einen Heizungstausch. Über die KfW-Bank ist ein Zuschuss von bis zu 70 Prozent der Kosten für den Einbau einer klimafreundlichen Heizung möglich. Energiesparende Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle wie die Dämmung von Fassade und Dach oder die Erneuerung der Fenster bezuschusst der Staat über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit einer Grundförderung in Höhe von 15 Prozent der Ausgaben.
Die Bafa-Zuschüsse erhöhen sich um 5 Prozentpunkte, wenn die Maßnahme Teil eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) ist, den ein zertifizierter Energieeffizienz-Experte im Vorfeld erstellt hat. „Sollte ich die Bafa-Förderung in Anspruch nehmen wollen, ist ein iSFP daher eigentlich obligatorisch, zumal die Energieberatung mit 50 Prozent gefördert wird“, erklärt Lennart Feldmann vom GIH, der bundesweiten Interessenvertretung für Energieberatende.

Doch nicht alle energetischen Optimierungen kosten viel. „Es gibt sie praktisch für jeden Geldbeutel“, sagt Christian Handwerk, Referent für energetisches Bauen und Bauphysik bei der Verbraucherzentrale NRW. So muss nicht immer gleich ein Fenster getauscht werden. „Bei Fenstern ist die Dichtigkeit das Allerwichtigste. Deswegen sollte man prüfen, ob die Dichtungen im Fenster in Ordnung sind, und gegebenenfalls nachbessern“, rät der Verbraucherschützer. Passende Dichtungen zum Selbstanbringen gibt es im Baumarkt.
Lösungen fürs Fenster
Auch die Fensterflügel neu zu justieren, damit das Fenster dicht schließt, ist eine effektive Energiesparmaßnahme, die selbst dann wenig kostet, wenn ein Profi sie vornimmt. „Bei alten Fenstern mit Doppelverglasung kann man auch Fensterfolien aufkleben, um sie energetisch aufzuwerten“, betont Handwerk.
Darüber hinaus gibt es Dämmmaßnahmen, „mit denen sich Energiesparpotenziale schnell und einfach heben lassen und die in kurzer Zeit schon einen messbaren Effekt haben“, so Lennart Feldmann. Dazu gehören die Dämmung der obersten Geschossdecke und die Dämmung der Kellerdecke, wenn das Untergeschoss unbeheizt ist. „Beides eignet sich auch gut als Do-it-yourself-Maßnahme. Und ein Tipp: Wenn ich einen Energieberater einbinde, dann ist das Ganze sogar förderfähig“, erläutert er.
Auch Heizkörpernischen lassen sich relativ einfach in Eigenleistung dämmen. In vielen Fällen muss dann aber der Heizkörper versetzt werden. „Dafür kann man sich Hilfe von einer Fachperson holen und zumindest die Dämmmaßnahme selbst durchführen“, so der Rat von Christian Handwerk.
Heizung optimieren
Im Bereich der Heizung gibt es ebenfalls Energiesparmaßnahmen für wenig Geld. Nichts außer etwas Zeit kostet es etwa, die Heizkurve optimal einzustellen. Das können Hauseigentümer selbst erledigen. Einen hydraulischen Abgleich hingegen muss Fachpersonal durchführen. „Das kostet im Einfamilienhaus zwischen 500 und 1000 Euro, spart aber gut und gern 200 bis 300 Euro Heizkosten im Jahr“, rechnet Feldmann vor.
Der Austausch alter, stromfressender Umwälzpumpen durch moderne Hocheffizienzpumpen amortisiert sich meist genauso schnell – ebenso wie der Einbau smarter Thermostatventile, was jeder selbst machen kann. Mit 400 bis 1000 Euro Anschaffungskosten sind zudem Balkonkraftwerke eine Energiesparmaßnahme für den kleineren Geldbeutel, die sich schnell bezahlt macht.
Mit Renovierung Steuern senken
Pro Jahr lassen sich mit Handwerkerkosten bis zu 1200 Euro an Steuern sparen.
Eigentümer wie Mieter können die Kosten für Handwerkerleistungen bei der Modernisierung des eigenen Zuhauses von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist, dass die Handwerker die Arbeiten in einer Immobilie durchgeführt haben, die der Steuerschuldner selbst nutzt, und dass die Arbeiten dem Erhalt oder der Renovierung dienen. Erstellen die Handwerker allerdings etwas Neues wie einen Anbau, dürfen ihre Leistungen nicht steuermindernd geltend gemacht werden. Wichtig ist auch, dass eine Rechnung des Handwerkerbetriebs vorliegt und per Überweisung beglichen wurde. Pro Rechnung lassen sich 20 Prozent der Kosten von der Steuer absetzen. Insgesamt können maximal 6000 Euro pro Jahr geltend gemacht werden. Das entspricht einem Höchstbetrag von 1200 Euro, der von der Steuerschuld abgezogen wird.
„Klimafreundliche Optionen bevorzugen“
Christian Handwerk von der Verbraucherzentrale NRW zu Sanierungsvorschriften.
S-Quin: Welche Gesetze gelten für Sanierungen?
Handwerk: Der Staat schreibt bei umfangreichen Sanierungen eine energetische Mindestqualität vor, wenn mehr als 10 Prozent einer Bauteilfläche ersetzt werden. Die Fassade neu zu streichen oder Putz auszubessern, fällt nicht darunter, den Putz komplett zu erneuern schon. Wer eine Immobilie kauft oder erbt, kann außerdem zu bestimmten energetischen Sanierungen verpflichtet sein. Dazu gehört die Dämmung der obersten Geschossdecke, sofern das Dach darüber ebenfalls ungedämmt ist, sowie die Dämmung von Warmwasser- und Heizungsrohren, die frei durch unbeheizte Bereiche laufen. Nach dem Grundbucheintrag bleiben einem zwei Jahre Zeit dafür.
S-Quin: Wurden diese Regelungen durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz eingeführt?
Handwerk: Nein, diese Sanierungspflichten gab es schon. Das Gebäudemodernisierungsgesetz* hat vielmehr eine Pflicht abgeschafft: Eigentümer müssen nun sehr alte Öl- oder Gasheizungen nicht mehr zwingend austauschen. Generell bringt das Gesetz für Öl- und Gasheizungen Vereinfachungen mit sich. Auch deren Neu-Einbau wird einfacher. Die neue Regelung bietet mehr Flexibilität bei der Heizungswahl, allerdings raten wir dazu, auch die Betriebskosten zu berücksichtigen.
S-Quin: Aber ist es denn überhaupt noch sinnvoll, auf fossile Energien zu setzen?
Handwerk: Der Abbau der Hürden für den Einbau von Öl- und Gasheizungen heißt nicht, dass deren Einbau eine gute Idee ist. Beispielsweise müssen neue Öl- und Gasheizungen ab 2029 mit einem bestimmten Anteil Biobrennstoff betrieben werden und der ist etwas teurer als übliches Öl oder Gas. Meistens ist es am vernünftigsten, auf klimafreundliche Optionen zu setzen, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit die zukunftssichersten sind.
* Stand: 21. Mai 2026
Fotos: Adobe Stock, Christian Handwerk, iStockphoto
